Was macht eigentlich Gottéron-Trainer Roger Rönnberg?
Er ist ein Titan im europäischen Hockey-Universum. Gottérons Trainer Roger Rönnberg hat in Schweden mit Frölunda alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: die nationale Meisterschaft und die Champions League.
Seit dieser Saison ist er Bandengeneral beim HC Fribourg-Gottéron. Mit Vertrag bis 2028. Den Schweden zu kritisieren oder gar in Frage zu stellen, gilt als hockeytechnische Gotteslästerung. Und doch: Zum ersten Mal gibt es Grund zu leiser Besorgnis.
Rönnberg hat eine Aufgabe: Gottéron zum ersten Meistertitel der Geschichte zu führen. Alles andere zählt nicht. Spektakel und Drama hat Gottéron in seiner Geschichte wahrlich genug gehabt. Nun ist es Zeit für meisterlichen Ruhm.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
Goals/Assists
Spiele
Strafminuten
-
Er ist
-
Er kann
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Erwarte
Ein tüchtiger Sportdirektor (Gerd Zenhäusern) und ein kluger Präsident (Huber Waeber) haben alles für eine Meisterfeier vorgekehrt. Eine nominell bessere und im Vergleich zur Konkurrenz höher dotierte Mannschaft wird Gottéron mit ziemlicher Sicherheit auf Jahrzehnte hinaus nicht mehr haben. Das Zeitfenster für die meisterliche Himmelfahrt ist noch für gut drei Jahre offen. Was Roger Rönnbergs Vertragsdauer entspricht.
Natürlich kann ein Trainer nicht nur an Titeln gemessen werden. Aber eine Debatte über die verschiedensten Qualitäten eines Trainers, über die Nachhaltigkeit seiner Arbeit braucht in diesem Fall nicht geführt zu werden. Es geht nur um meisterlichen Ruhm. Punkt.
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Vor gut einem Jahr, am 22. Dezember 2024, ist Lars Leuenberger vom Assistenten zum Cheftrainer befördert worden. Er hat – und das ist eine historische Tat – Gottéron zum Triumph beim Spengler Cup geführt. Zum ersten Mal hat Gottéron einen Titel geholt. In den Playoffs coachte Lars Leuenberger die Mannschaft in einem Drama über sieben Spiele zum Viertelfinal-Triumph über den SC Bern und im Halbfinal gegen Lausanne bis ins siebte Spiel.
Inzwischen arbeitet Leuenberger als Assistent Rönnbergs. Sein Chef ist soeben beim Spengler Cup im Halbfinal gescheitert. Polemisch formuliert: Der Assistent war erfolgreicher als sein Chef. Punkt.
Lars Leuenberger: 2024 Spengler-Cup-Sieger, im Halbfinal den HC Davos mit 4:2 aus dem Turnier gekippt. Roger Rönnberg: 2025 im Halbfinal gescheitert – mit 1:3 gegen den HC Davos. Das ist erst einmal eine Fussnote in Gottérons Geschichte.
Niemand im Universum Gottéron zweifelt nach dem Scheitern beim Spengler Cup am Trainer. Seine Position ist so unerschütterlich wie das Fundament der Kathedrale St. Nikolaus, seit mehr als 500 Jahren das Wahrzeichen der Stadt. Sein Charisma: strahlend wie am ersten Arbeitstag. Seine Botschaften: Evangelium.
Und doch: Der Geist der Polemik ist aus der Flasche. Wenn Roger Rönnberg in den anstehenden Playoffs (die Gottéron eigentlich auf direktem Weg erreichen müsste) nicht mindestens den Halbfinal erreicht, dann werden die Aufmüpfigen die Frage stellen: Was wäre, wenn Lars Leuenberger nicht bloss Assistent, sondern immer noch Cheftrainer wäre? Natürlich erst hinter vorgehaltener Hand. Aber die Dämonen des Zweifels an der Autorität Rönnbergs würden erwachen.
Alles bloss billige Polemik? Nein. Die Autorität eines Trainers implodiert nicht wegen eines einzigen Ereignisses. Aber so wie der Flügelschlag eines Schmetterlings die Luftbewegung auslöst, die in einem Sturm endet, so beginnen die Probleme für einen Trainer mit kleinen Begebenheiten, die für die Zeitzeugen bloss Episoden sind.
Roger Rönnbergs Vertrag bis 2028 ist eigentlich ein mündelsicheres Wertpapier. Logisch wäre also: Wenn nicht 2026, dann wird er halt 2027 oder 2028 Meister.
Aber Logik ist im Eishockey im Allgemeinen und bei Fribourg-Gottéron im Besonderen ein rares Gut. Und noch etwas: Wovon soll der Klub träumen, wenn die erste Meisterschaft erst einmal gewonnen ist? Als Meister würde Gottéron nicht mehr anders sein als der SCB, Lugano, Davos, Zug, die ZSC Lions, die SCL Tigers, Servette, Biel und Kloten – also als all die Teams, die schon mal Meister waren.
PS: Noch eine Frage, die zu dieser Thematik gehört: Wenn Fribourg-Gottéron 2026 mit Reto Berra im Tor im Titelkampf scheitern sollte – ist eigentlich sicher, dass sein Nachfolger Ludovic Waeber besser oder mindestens gleich gut ist?
